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"Es ist so wichtig, dass wir erzählen."

Studienreferendarinnen und -referendare des Seminars Gymnasium/Gesamtschule in Kleve treffen die Zeitzeugin Eva Weyl in Kamp Westerbork / NL.

Bereits zum dritten Mal besuchte eine Gruppe von Referendarinnen und Referendaren aus Kleve gemeinsam mit dem Fachleiter Sozialwissenschaften am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Christian Brauers die Gedenkstätte Kamp Westerbork in der Nähe von Groningen.

Auf Einladung der Zeitzeugin und ehemaligen Lagerinsassin Frau Eva Weyl kam diese besondere Begegnung erneut zu Stande.

Westerbork erinnert an über 100000 jüdische Niederländer, die in diesem Lager die Deportationszüge in die Vernichtungsstätten wie Auschwitz, Theresienstadt und Sobibor bestiegen. Nur ca. 5000 Menschen kehrten zurück. Die Lagerinsassen scheinen die tödliche Bedrohung nicht verstanden zu haben, sie hofften darauf, im Osten Arbeit zu finden und später wieder nach Hause zurückzukehren. „Wir wussten es nicht“ – so sagte es auch Eva Weyl, die aus Kleve stammt und nach der Flucht ihrer Familie in die Niederlande nach Westerbork gezwungen wurde. „Das Lager war ein schöner Schein, ich ging hier zur Schule, es wurden Hochzeiten gefeiert, Kranke gut versorgt, niemand wurde hier ermordet. Bestraft wurden Menschen damit, dass sie auf die nächste Transportliste gesetzt wurden. ‚Gib uns 1000 Namen‘, das war der Auftrag, den der Lagerkommandant Gemmecker wöchentlich zu erfüllen hatte.“

Eva Weyl hat es sich zur Aufgabe gemacht, über ihre Lebensgeschichte Menschen mit den unbeschreiblichen Geschehnissen des Dritten Reichs zu konfrontieren: „Es ist so wichtig, dass wir erzählen. Wichtig, dass die, die Kinder erziehen, etwas erzählen.“ Aus dieser Motivation heraus unterstützt die engagierte Zeitzeugin auch die inzwischen vierte Auschwitzfahrt des Seminars Gymnasium/Gesamtschule in Kleve, organisiert von Fachleiterin Anja Brolle, welche im nächsten Jahr ansteht und an der zahlreiche Westerbork-Fahrer teilnehmen.

„Unser Ziel ist es, am Zentrum für Lehrerausbildung nicht nur theoretisch über Gedenkstättenpädagogik zu sprechen, sondern über die Begegnungen mit Zeitzeugen in Westerbork und Auschwitz die jungen Kolleginnen und Kollegen zu motivieren, in den Schulen vor Ort eine lebendige Erinnerungskultur zu ermöglichen“, betonen die betreuenden Fachleitungen aus den Bereichen Geschichte, Sozialwissenschaften und Religion unisono. „Die Zusammenarbeit mit Frau Weyl ist in dieser Hinsicht ein Glücksfall, weil sie sich immer wieder als Zeitzeugin zur Verfügung stellt und Schulen am Niederrhein besucht.“

Auch wenn ein Verstehen kaum möglich scheint, die persönlichen Schicksale, die durch Frau Weyl und ihre engagierten Mitarbeiter im Erinnerungszentrum in Westerbork den deutschen Besuchern nähergebracht wurden, bewegen und bleiben im Gedächtnis haften. Zum ersten Mal durfte die Gruppe aus Kleve auch das Haus des Kommandanten Gemmecker in Augenschein nehmen und einen Film zu diesem historischen Ort anschauen. Kinder und Enkel des Kriegsverbrechers leben in Nordrhein-Westfalen und sind inzwischen sogar zum Teil mit Eva Weyl in Kontakt und ihr freundschaftlich verbunden. Eine große Geste der Versöhnung zwischen der Bundesverdienstkreuzträgerin Eva Weyl und den Nachfahren eines Täters, welche als Symbol für Eva Weyls Einstellung steht: „Ihr seid nicht verantwortlich für die schlimmen Naziverbrechen, aber wir alle sind verantwortlich für eine friedliche Zukunft und ein respektvolles Zusammenleben.“

Mit Bildern ihrer Kinder und Enkelkinder beschloss Frau Weyl, deren Familie nur mit viel Glück den Transporten entkam, ihre Ausführungen mit den Worten: „Ich glaube, meine Lebensgeschichte ist dennoch eine schöne Geschichte. So viele schöne Geschichten gibt es leider nicht.“ Und ihre Mitarbeiter am Erinnerungszentrum Westerbork gaben den Besuchern im Hinblick auf die

Auschwitzfahrt im nächsten Jahr mit auf den Weg, dass es wichtig sei, „einmal da zu sein, wo der Zug aus Westerbork endete“.


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