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Weimar um 1800: Epochenumbruch und Kultur der Klassik, Gesellschaft und Leben – Perspektiven außerschulischen Lernens

Eine viertägige Fahrt der Fachseminare Deutsch nach Weimar ermöglichte ein Eintauchen in die Welten Goethes und Schillers – und sie inspirierte: Die folgenden Texte sind eine Sammlung schlaglichtartiger Eindrücke aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

 

Lieber Schiller,

ich durfte den Ort deines Wirkens kennenlernen. War Weimar in meiner Vorstellung zuvor lediglich ein Örtchen im Osten, an dem die deutsche Klassik ausgeheckt wurde und in die es heute große Touristenströme zieht, konnte ich die Stadt in diesen vier Tagen durch Anschauung und Einfühlung in seine Orte und seine Protagonisten in mich aufnehmen. Aus einem Klassik-Fan, der dich zwar kannte und deine Ideen über die Ästhetische Bildung liebte, wurde ein Bekannter der Menschen.

Du, Goethe und auch Nietzsche, der zwei auf dich folgende Jahrhunderte prägte, sind allgegenwärtig. Euer Kult ist seit 200 Jahren ungebrochen. Der Genie-Gedanke ist heute populär wie nie. Das begegnet jedem, der den Ort deines Wirkens besucht. Dies sorgt für große Nähe zum Menschen Schiller. Ich glaube deshalb dich zu kennen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob dir das gefällt. Denn dein Personenkult fällt zu Lasten deiner Ideen, die der aufmerksame Besucher in Weimer sucht, ahnt, höchstens noch spürt. Aber die manchmal langatmigen Führungen weisen dann hin und wieder doch zu wenig „Fleisch am Knochen“ auf. Viel Mensch, wenig Idee. Nur gucken, nicht anfassen, wie bei Anna-Amalia. Dabei ist es das, was an eurer Epoche so spannend war. Was bis heute durchwirkt… ihre Ideen.

Auch Nietzsche, der dich mochte, wird hier in Weimar gefeiert, verklärt, ausgestellt. Aber seine Idee bleibt blass.

So bleibt von meinem Besuch im Weimar dieser Eindruck:

Das Einfühlen in die kulturprägende und deshalb in höchstem Maße bildungsrelevante Idee der humanistischen Aufklärung geschieht hier durch Nachspüren und Handhabbarmachung der Menschen, besonders dir und dem arroganten Goethe. Meine Schüler werden deine IDEEN lieben, über deinen GEIST staunen.

Hochachtungsvoll,

Fabian.

Als ich nun in Weimar war –

Und das nicht zum letzten Mal –

Gingen wir auf Goethes Pfaden,

Uns an seinem Kult zu laben.

Leben, Wirken, Tun und Sagen

Wusste er bewusst zu wahren.

Denn schon zu Zeiten seines Lebens,

War es Ziel seines Bestrebens,

Ruhm und Ansehen zu erlangen

In seinem Nachlass einzufangen.

Zugänglich für Tausende Jahr für Jahr

Sind diese Schätze wunderbar.

Wollt ihr des Dichters Geist erfahren

Müsst ihr nur nach Weimar fahren!

Simon Wittenhorst

 


Weimar ist.

Wie Weimar ist, dachte ich, wüsste ich.

Wie Weimar ist, merkte ich, wusste ich nicht.

Wie Weimar ist, erkannte ich, wollte ich wissen.

Wie Weimar ist, so ein Glück, weiß ich jetzt!

Weimar ist…

Groß in seiner bescheidenen Größe

Wertvoll

Ereignisreich

Herausfordernd

Gewöhnlich

Ungewöhnlich

Seltsam

…eine Reise wert.

Johannes Heiming

 


Wer Weimar besucht, der kommt um Goethe und Schillern nicht herum. Mehr Goethe und Schiller gibt es wahrscheinlich in keiner Stadt. Sie sind allgegenwärtig und fast greifbar. Wenn man die Literatur liebt, ist es ein wunderbarer Ort. Und auch sonst lohnt sich der Besuch allemal. Dabei sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Literatur einen anspringt, obwohl sie das tut. Vielmehr findet man sie in jeder kleinen Gasse, in jeder kleinen Ritze, in jedem Eckchen der schönen Stadt. So irrt euch nicht und lasst euch inspirieren vom Gartenhaus, vom Goethehaus, vom Schillerhaus, vom Nationaltheater, von der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, vom Bauhaus-Museum, vom Liszt-Haus. Um nur einige wenige der Sehenswürdigkeiten zu nennen. Derjenige, der dort ankommt, wird die Vielseitigkeit, die Weimar birgt, sofort bemerken. Der lasse sich in Weimars Bann ziehen. Weimar. Schiller. Goethe. Geboren in Marbach und Frankfurt. Gewirkt in ganz Europa, heimisch geworden in Weimar. Begraben in Weimar.

Irina Fandyluk, Goethe


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„Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein“ – Das Entdecken und Erleben des Gartenhauses Goethes entfacht eine ungeheure Quelle der Inspiration und lädt dazu ein, der immer noch Rätsel aufwerfenden Frage „Wer liebte wen am Weimarer Hof?“ auf eigene Faust (!) nachzugehen. 

Kerstin Luttmann

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"Liebster G., liebster S.,

Ich reiste nach Weimar und fand ein Städchen voller inspirierender Orte vor. Ich besuchte eure Häuser und ging durch eure Gärten. Ich wandelte auf den Spuren von Faust und Tell, von Gretchen und Iphigenie und fand euch. Ich habe euch entdeckt, betrachtet, untersucht. Ich kam euch näher. Ich habe euch gespürt, erfahren, gelebt. Ich kam nach Weimar und wurde Goethe, wurde Schiller."

Anja Weber

 

„Rastlos vorwärts musst du streben, nie ermüdet Stille stehn, willst du die Vollendung sehn, musst ins Breite dich entfalten, soll sich deine Welt gestalten, in die Tiefe musst du steigen, soll sich dir das Wesen zeigen, nur Beharrung führt zum Ziel […]“ - Na, wer hat´s geschrieben? Natürlich unser Schiller! Aus Weimar nehme ich mit, dass es Schiller – im Gegensatz zu Goethe – nicht immer leicht hatte im Leben. Ein echter Kämpfer, der immer vorwärts strebte und es letztlich durch Beharrlichkeit zum Ziel schaffte. Ein Vorbild? Einen wunderbar lebendigen Vortrag zu Schiller hörten wir in Rudolstadt von der quirligen Frau Dr. Danz. Fazit: Wenn Weimar, dann Rudolstadt, aber nur mit Frau Dr. Danz! :-)

 Julia Ohnesorge

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„Lebhaft vordringende Geister begnügen sich nicht mit dem Genusse, sie verlangen Kenntnis."
(Johann Wolfgang von Goethe. Aus: Goethe, Autobiographisches. Italienische Reise, 1786-1788.)
Für uns wurde Weimar ein Ort, der uns Genuss und Erkenntnis gleichermaßen beschert. Ein Ort der Gegensätze von Moderne und Klassik, Natur und menschlichem Geist, die zu einem lehrhaften Gesamtwerk verschmelzen.

Elisabeth Büttner

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Vielleicht sollte man den Blick von den Seiten heben und auf das legen, was einen hier umgibt. Wenn man gesehen hat, wo die großen Geister gewohnt und gelebt haben, die Nähe erlaufen und die Luft eingesogen hat, selbst auch einmal an der Ilm gesessen und gemeinsam mit Gleichgesinnten geredet, gelacht und das ein oder andere gewichtigere Wort gewechselt hat, die Atmosphäre hier gespürt und sich den jungen Goethe bei Nacht auf dem Altan seines Gartenhauses vorgestellt hat, dann kann man seinen Blick, der – so meine ich – ein anderer sein wird, wieder auf die Seiten richten und all dies anders, vielleicht sogar besser verstehen.

Nadja Richter


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„Schiller lockt ... nach Rudolstadt" - so lautet der Titel des Werbeflyers von „Schillers heimliche[r] Geliebten" Rudolstadt. Auch wir wurden gelockt von ihr - in unserem Fall in Person der Museumsleiterin Frau Dr. Danz - welch ein „glückliches Ereignis"!

Laura Schumacher

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Ein typisches Gespräch?

Goethe:

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“ (V. 1112, Faust I)

Schiller:

„Das ist doch gar nichts!

Zwei Schädel liegen, ach!, in meinem Grab,

doch niemand den echten Schädel zu finden vermag!“

Carolin Gebbeken

 

Eine Reise nach Weimar

 

Welch ein Mythos!

Eine Erfahrung!

Inspiration!

Musentempel!

Anstrengung, die sich lohnt!

Rudolstadt- eine Landpartie –muss aber dabei sein!

(…und ein rotstrahlender Goethekopf am Abend ebenso!)

 

denn:

„Alle Kunst ist der Freude gewidmet,

und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe,

als die Menschen zu beglücken.“

Friedrich Schiller

gesehen auf einer Wand des Schillerhauses am 5. April 2017 in Rudolstadt/Thüringen

 

Inge Ruhs

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Kunst bewegt - Weimar bewegt, vor Ort - nicht im Klassenzimmer. Schriften Goethes und Schillers können im Klassenraum besprochen werden, erhalten jedoch in Weimar eine andere Dimension. Die Begeisterung für Weimar und die Wahrnehmung der besonderen Atmosphäre, z.B. im Gartenhaus Goethes, entsteht ebenfalls vor Ort. Weimar ist eine Reise wert und muss erlebt werden.

Christoph Zabel

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Die viertägige Weimarfahrt der Fachseminare Deutsch war in der Tat ein „glückliches Ereignis“, das (ästhetische) Erfahrungen an ausgewählten Orten (in Weimar und Rudolstadt) und überaus bereichernde Begegnungen mit hervorragenden Referenten in den Vordergrund rückte. Das Zusammenspiel dieser beiden Ebenen erbrachte zahlreiche Impulse für eine zeitgemäße Exkursionsdidaktik und führte einmal mehr Möglichkeiten außerschulischer Lernorte vor Augen, die die Literaturvermittlung weit überschritten. „Glücklich“ wurden die mitunter kühlen Frühjahrstage im Weimar vor allem durch die stets hervorragende Atmosphäre in den beiden Fachseminaren. 

Unser Dank gilt der Klassik Stiftung sowie der Goethe-Gesellschaft Weimar.

Marc Janßen

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"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen." (Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre)

Wie wahr! Das durften wir am eigenen Leib erfahren. Eine unvergessliche Reise, die uns ein Stück weit erhabener hat zurückkehren lassen.

Hilke Dusen

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Goethes Stadthaus mit seinem idyllischen Garten bietet einen guten Einblick in das damalige Leben. Kunst, Mobiliar und Gestaltung der Räume ermöglichen einen tieferen Zugang zu Goethe und seiner Zeit als es bloße Texte über Goethe ihn jemals vermitteln könnten und laden ein, über den Menschen Goethe mit all seinen Facetten nachzudenken.

Annika Menge

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Fachseminar Deutsch – Weimarfahrt 2017 – Eine Verlaufssynopse der anderen Art

Tag 2:  Dienstag, 04. April 2017

von Johannes Quoc Minh Quach

Phase

Unterrichtsgeschehen/ Aufgabe/ Ergebnisse

Sozialform (inkl. zusätzl. Informationen)

(Didaktischer) Kommentar

Einstieg

Nach dem reichhaltigen Frühstück heißt es „Entdeckungsreise der Idylle“, Spaziergang zum Gartenhaus Goethes.

 

 

Eine Audioguide – Tour im Gartenhaus und der Gang durch den Garten eröffnen den Reigen der goethischen Spurensuche.

GA im Grünen

 

 

 

 

EA mit Audioguide

Die Teilnehmer der beiden Seminare (Ruhs/ Janßen) lernen sich besser kennen.

 

Hautnah am Ort des produktiven Geschehens: Goethe, der Erlkönig und Iphigenie auf Tauris.

Erarbeitung

Weimar – eine didaktisch aufgerüstete Stadt. Einführung im Goethehaus.

LV durch Herrn Dr. Metzger

„Sie wollen mit einer Schulklasse nach Weimar? Die Stadt erwartet Sie.“

Sicherung

Goethehausbesichtigung, inkl. persönlicher Führung in „ostdeutscher Sprache“ durch Museumsangestellte.

EA/PA

Goethe als Jäger und vor allem Sammler (er wäre wohl ein guter Lehrer geworden).

Vertiefung

Goethe Nationalmuseum und Anna Amalia Bibliothek.

LV durch Fr. Roesler

Erkenntnis: Bücher müssen brennen, bevor sie wertvoll werden J

Pause

Abendessen in der Jugendherberge

Plenum

Montag war wohl nicht der einzige vegetarische Tag …

Erarbeitung

Theaterbesuch im „Theater im Gewölbe“ und die glorreiche Aufführung von „Goethes Glanz und Schillers Glorie“ oder aber auch „Die Genusswurzel und ihre Stürmer und Dränger…“

Plenum

Der theatrale Übergang von Goethe zu Schiller.

Erkenntnis:

Frau Ruhs und Herr Janßen geben als Goethe und Schiller eine gute Figur ab.

Vertiefung/ Transfer

Gemütliches Beisammensein und erste Reflexion des Ausfluges.

Plenum

Erkenntnis des Tages:

Die Stadt Weimar und ihre Einwohner „leben“ ihre Stadt und begeistern auf ganzer Linie.

 

Weimar

Goethe Schiller

Einer liegt dort

Der andere ist fort

Momentaufnahme

 

Michael Schmitz

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Auf leisen Sohlen mit XXL-Pantoffeln ehrfürchtig durch die Herzogin Anna Amalia Bibliothek schleichen und den Geruch einzigartiger Literatur einatmen. Nicht nur für Deutschlehrer ein beeindruckendes Erlebnis! 

Ann-Catrin Windler

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Weimar – sehen, staunen und verlieben!

Eine Stadt, mit bestechend historischem Charme und voller Inspiration.

Tief in die Welt Goethes und Schillers eingetaucht, konnte man sich an den verschiedensten Orten von der Atmosphäre einnehmen lassen. Ein Erlebnis, welches einen tiefen Eindruck hinterlassen hat und sehr empfehlenswert ist.

Weimar, ich komme gerne wieder!

Katrin Schaap

 

 

 

 

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