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Fachleiterinnen und Fachleiter am Puls der Zeit

In drei Fachtagungen beschäftigen sich die Fachleitungen mit den Querschnittsthemen des 2016 überarbeiteten Kerncurriculums für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst. Die erste Fachtagung galt der Auseinandersetzung mit der Situation der Flüchtlingskinder in der Regelschule. Gila Hoppenstedt, Journalistin und selbst Lehrerin, vermittelte dem Kollegium Hintergrundwissen und Modelle guter Praxis.

Das Jahr der nordrhein-westfälischen Landtagswahl und der Bundestagswahl hat begonnen und mit ihm der Wahlkampf. Experten sind sich bereits jetzt einig, dass die Flüchtlingsdebatte hierbei eines der zentralsten Themen wird. Aber wie können eigentlich angehende Lehrer am Niederrhein den Flüchtlingskindern Bildung vermitteln, ohne dass man die gleiche Sprache spricht?

Um die hohen Qualitätsstandards in der Klever Lehrerausbildung auch in Zukunft aufrecht erhalten zu können, widmeten sich ihre Ausbilder, die Fachleiterinnen und Fachleiter am ZfsL in Kleve in einer Fachtagung am 17. Januar 2017 dem Thema „Flüchtlingskinder an der Regelschule“. Gila Hoppenstedt, Journalistin und selbst Lehrerin, war als Referentin eingeladen und führte in zwei interessanten und aufrüttelnden Vorträgen ihre Zuhörer in die hochaktuelle Thematik ein.

In ihrem ersten Vortrag berichtete sie aus ihrer jahrelangen unmittelbaren Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingskindern und benannte allgemeine und statistische Hintergrundinformationen. Woher kommen sie? Was haben sie möglicherweise alles erlebt? Welche Auswirkungen haben Krieg und Flucht auf die Kinder und die Eltern? Mit welchem Schul- und Lehrerbild kommen sie nach NRW? Diese und viele andere Fragen wurden mit staunenswerten Fakten beantwortet. So wurde zum Beispiel deutlich, wie viel Leid Flüchtlingskinder bis zu ihrer Ankunft bei uns in NRW miterlebten und welche Traumata sie nun hier verarbeiten müssen:

Sie mussten ihre Heimat verlassen, haben eine viele tausend Kilometer lange Flucht unter widrigsten und mitunter lebensgefährlichen Umständen hinter sich, haben Menschen sterben sehen, kommen in ein Land mit fremder Sprache, fremder Kultur, verstehen niemanden und sie tragen Zukunftsängste in sich.

All dem müssen sich täglich Lehrer am Niederrhein, in NRW und in ganz Deutschland stellen – und fühlen sich hierbei oft überfordert und von verschiedenen Seiten allein gelassen. Auch haben die Fachleiterinnen und Fachleiter erfahren, was es mit dem technischen Begriff des „subsidiären Schutzes“ auf sich hat. Welche Rechte und welche Pflichten sind damit verbunden? Am Ende zieht Hoppenstedt ein trauriges und betroffen machendes Fazit: „Die Kriegsgeschichte liegt wie ein Mehltau auf der ganzen Familie“.

Nach einer Pause, die zum angeregten themenbezogenen Gespräch genutzt wurde, ging es im zweiten Vortrag darum, Chancen und Herausforderungen im Umgang mit den Flüchtlingskindern zu identifizieren.

Einer der Schwerpunkte in diesem Vortrag war es, aufzuzeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht ausrichten müssen, um den Flüchtlingskindern eine Teilhabe am Unterricht überhaupt zu ermöglichen. Grundlagen der Lernpsychologie  wurden hierbei erinnert und Möglichkeiten eines sprachsensiblen Unterrichtens aufgezeigt. Gila Hoppenstedt stellte Konzepte einzelner Schulen vor, mit deren Hilfe am konkreten Ort eine Förderung und Integration dieser Kinder ermöglicht wird.

Das Land NRW reagiert auf die besonderen Anforderungen: Im 2016 überarbeiteten Lehrerausbildungsgesetz ist festgelegt, dass alle Studierenden für den Lehrerberuf bereits im Studium an der Universität eine Grundqualifikation im Bereich „DaZ“ – Deutsch als Zweitsprache erwerben. Doch wie lange dauert es, bis diese Studierenden auch flächendeckend ihre Ausbildung beenden und die Schulkollegien bereichern? „Es gehört heute quasi schon zum Standard in den Stellenausschreibungen dazu, dass Bewerber die Bereitschaft bekunden müssen, sich in DaZ weiterzubilden und die Sprachkurse zu übernehmen“, so Hoppenstedt.

Im Gegensatz zum fachlichen Input des ersten Vortrages gab es im zweiten Teil der Fortbildung eine rege Diskussion über die Sinnhaftigkeit mancher Entscheidungen und Maßnahmen. „Das System ist nicht ausgereift“ oder „Mittlerweile merken selbst Politiker, dass dieses Konzept, wonach alle Kinder am gleichen Ort unterrichtet werden sollen, an seine Grenzen stößt“ waren nur zwei der vieldiskutierten Thesen. Immer wieder endete eine Diskussion in der traurigen Feststellung, dass zu wenig finanzielle und vor allem personelle Ressourcen bereit stehen.

Am Ende resümiert Dr. Micaela Krone, die Leiterin des ZfsL Kleve: „Wir können in der Lehrerausbildung nicht das goldene Ei erfinden, mit dem alle Herausforderungen auf einmal behoben sind. Aber wenn es uns gelingt, den angehenden Lehrerinnen und Lehrern Impulse zu geben, mit ihnen Grundlagen zu erarbeiten und eine Vorstellung davon zu geben, welche Aufgaben sie im Hinblick auf die Flüchtlingskinder im späteren Berufsalltag erwarten, dann haben wir damit ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zur professionellen Lehrerpersönlichkeit gelegt“.

In der zweiten Fachtagung geht es Mitte Februar um die rasant zunehmende Digitalisierung und die sich dadurch verändernde  Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Wie  sich Bildung in der „digitalen Welt“ verändert, welche Potentiale für das Lehren und Lernen in der digitalen Welt vorhanden sind und wie dies alles in die Ausbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer eingebunden werden kann ist eine Querschnittsaufgabe, der sich die Ausbilderinnen und Ausbilder am ZfsL stellen müssen.  

Eine dritte Fachtagung Mitte März wird sich in Anknüpfung zur Thematik der ersten Tagung mit dem Thema „sprachsensibler Unterricht“ beschäftigen.

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